Newsletter - 09 / 2009 (1) - Abwrackprämie, Segen oder Fluch.

Abwrackprämie, Segen oder Fluch.

Nun ist sie bald aufgebraucht, die viel diskutierte Abwrackprämie und die Fachwelt ist sich nicht einig, ob sie ein Segen oder ehr ein Fluch für uns alle gewesen ist. Den Autohäusern bescherte sie einen unglaublichen Verkaufsboom, aber das alles nicht zuletzt auf Kosten der Umwelt. Denn die auch gerne „Umweltprämie“ genannte Subvention bedeutet eine enorme Belastung. So hat sich z.B. herausgestellt, dass die Menge an Kohlendioxid, die bei der Mehrproduktion der verkauften PKW ausgestoßen wird höher ist, als die Einsparung, durch die Verjüngung der Fahrzeuge auf den deutschen Straßen. Wir könnten bei genauer Betrachtung auch noch einen Schritt weiter gehen und uns fragen, was wäre mit all diesen, teilweise noch sehr guten Fahrzeugen alternativ passiert ? Die aus der Umweltprämie resultierende Zwangsverschrottung hat nämlich dazu geführt, dass diese Autos nicht wie gewohnt die teilweise weit über zwanzig Jahre alten Fahrzeuge in Ländern wie z.B. Afrika, Georgien und Russland abgelöst haben. Auch diese Aspekte sollte man in eine Ökobilanz zur Abwrackprämie nicht außer Acht lassen. Es wurde den Menschen suggeriert, wenn sie nicht jetzt ein neues Auto kaufen, wann dann ? Eine Verschuldung wurde billigend in Kauf genommen, über deren Ausmaß sich die Leute vielleicht erst bewusst werden, wenn die vom Staat gezahlten 2500,- Euro aufgebraucht sind und trotzdem noch so viele Raten getilgt werden müssen. Also ein weiterer Gewinner: die Banken. Die meisten Verlierer werden sich jedoch erst im Laufe des nächsten Jahres heraus kristallisieren. Ein namhaftes Marktforschungsinstitut sagt jetzt schon voraus, das im Laufe des nächsten Jahres jedes zweite Autohaus seine Türen schließen wird und über 90.000 Jobs in der Automobilbranche auf der Kippe stehen. Nicht zuletzt wird es die kleine Autowerkstatt sein, die von der Reparatur des Gebrauchten gelebt hat. Wer bisher mit seinem Gebrauchten die Dienstleistung des Monteurs an der Ecke gerne in Anspruch genommen hat, weil er die enormen Stundensätze der Markenwerkstätten nicht bezahlen konnte, fährt nun als stolzer Neuwagenbesitzer jährlich zu seiner Inspektion und genießt eine teilweise bis zu vier Jahren dauernde Werksgarantie. Der Bundesverband der Mehrmarkenwerkstätten (BVATZ) rechnet mit einem Auftragseinbruch von bis zu 30%, was für den ein oder anderen Mittelständischen Betrieb das Aus bedeuten könnte. Man rechnet damit, dass im September, kurz vor der Bundestagswahl (welch Zufall) das Budget der Abwrackprämie erschöpft sein wird. Dann wurden der Verkauf von gut zwei Millionen Fahrzeugen gefördert, dafür etwa fünf Milliarden Euro investiert, ca. 250 neue Mitarbeiter bei der BAFA eingestellt und über 14 Millionen Euro an Verwaltungskosten ausgegeben, der Erfolg ist jedoch für Niemanden messbar. Augenscheinlich sind die Autohäuser die Gewinner, aber der befürchtete Absatzeinbruch ist nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Zudem hat man sich durch enorme Rabatte von bis zu 50% das eigenen GebrauchtwagengeschŠft völlig kaputt gemacht, denn wer kauft schon einen Gebrauchten, wenn es für das gleiche Geld einen Neuen bekommt ?! Meiner Meinung nach liegt jedoch das größte Problem der Abwrackprämie darin, das unsere Regierung das ausgegebene Fördergeld überhaupt nicht hat und es „schuldenfinanziert“. Das heißt die Freude von zwei Millionen Bundesbürgern, über einen Neuwagen zahlen die zukünftigen Generationen, also unser Kinder. Wobei diese fünf Milliarden bei einer derzeitigen Staatsverschuldung von fast 1,7 Billionen Euro wie ein Taschengeld wirken. Bei den Recherchen zu diesem Newsletter ist mir letztendlich bewusst geworden, das „Umweltprämie“ ein heißer Anwärter auf das Unwort des Jahres sein könnte, da die Umwelt in diesem Zusammenhang ein ganz klarer Verlierer ist.