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Schnittstellen und Datenformate im Autohandel: Wie Fahrzeugdaten vom System in Börsen kommen

Welche technischen Schnittstellen und Datenformate im Autohandel zum Einsatz kommen, worin sich REST-APIs, SFTP-Übertragungen und CSV-Exporte unterscheiden und warum die Wahl der Schnittstelle über Geschwindigkeit und Datenqualität der Inserate entscheidet.

Schnittstellen und Datenformate im Autohandel: Wie Fahrzeugdaten vom System aufs Portal kommen

Zwischen dem Moment, in dem ein Verkäufer ein Fahrzeug im System anlegt, und dem Moment, in dem das Inserat auf mobile.de oder AutoScout24 erscheint, passiert mehr, als die meisten Händler vermuten. Die Daten werden aus dem Quellsystem exportiert, in ein portalkonformes Format umgewandelt, über eine Schnittstelle übertragen und auf der anderen Seite verarbeitet. Wie dieser Weg technisch funktioniert – über welche Schnittstelle, in welchem Format und mit welcher Geschwindigkeit –, hat direkten Einfluss darauf, wie schnell ein Fahrzeug online ist, wie vollständig die Daten ankommen und wie häufig Fehler auftreten.

Warum das Thema für Händler relevant ist

Man muss es nicht selbst programmieren – aber verstehen

Kein Händler muss wissen, wie eine REST-API technisch aufgebaut ist. Aber jeder Händler sollte verstehen, warum sein Inserat manchmal erst Stunden nach der Anlage im System online erscheint, warum bestimmte Ausstattungsmerkmale auf dem Portal fehlen, obwohl sie im System hinterlegt sind, oder warum der Bildimport bei einem Datendienstleister zuverlässig funktioniert und bei einem anderen nicht. Die Antwort auf all diese Fragen liegt in der Schnittstelle und im Datenformat.

Übertragungswege: Wie die Daten transportiert werden

REST-API: Der moderne Standard

REST (Representational State Transfer) ist heute der am weitesten verbreitete Schnittstellentyp für die Datenübertragung im Internet. Eine REST-API ermöglicht die direkte Kommunikation zwischen zwei Systemen in Echtzeit – das Quellsystem sendet eine Anfrage an das Zielsystem, und das Zielsystem antwortet sofort mit einer Bestätigung oder einer Fehlermeldung.

Vorteile für den Autohandel

Der größte Vorteil von REST-APIs ist die Geschwindigkeit: Änderungen am Fahrzeugdatensatz – eine Preisänderung, ein neues Foto, eine Statusänderung auf "verkauft" – können in Echtzeit oder nahezu in Echtzeit auf dem Portal sichtbar werden. Außerdem liefert die API eine direkte Rückmeldung: Wenn ein Datensatz fehlerhaft ist, meldet das Portal das sofort zurück, und der Fehler kann korrigiert werden, bevor das Inserat live geht.

Beispiel: mobile.de Seller API

Mobile.de bietet Datendienstleistern und Händlern mit technischer Anbindung die Seller API an – eine REST-basierte Programmierschnittstelle, über die Fahrzeuge angelegt, aktualisiert und gelöscht werden können. Die API unterstützt die Übertragung aller Fahrzeugdaten inklusive Bilder, Klickmerkmale, Beschreibungstexte und Preise. Die Kommunikation erfolgt über HTTPS, die Daten werden im JSON- oder XML-Format übertragen. Für Datendienstleister, die eine große Zahl von Händlern betreuen, ist die Seller API der bevorzugte Weg, weil sie automatisierte Massenverarbeitung bei gleichzeitiger Echtzeitrückmeldung ermöglicht.

SOAP-API: Der Vorgänger

SOAP (Simple Object Access Protocol) ist ein älterer Schnittstellenstandard, der vor REST weit verbreitet war. SOAP-APIs sind komplexer in der Implementierung, dafür aber stärker standardisiert und bieten eingebaute Fehlerbehandlung und Transaktionssicherheit. Im Autohandel findet man SOAP-Schnittstellen noch bei einigen DMS-Systemen und bei älteren Portalanbindungen. Der Trend geht eindeutig in Richtung REST – neue Schnittstellen werden fast ausschließlich als REST-APIs gebaut.

SFTP: Dateibasierte Übertragung

SFTP (SSH File Transfer Protocol) ist keine API im eigentlichen Sinn, sondern ein Weg, Dateien sicher von einem System zum anderen zu übertragen – vergleichbar mit einem verschlüsselten Dateiordner, in den das Quellsystem Dateien hineinlegt und aus dem das Zielsystem sie abholt.

Wie es im Autohandel eingesetzt wird

Viele Datenübertragungen im Autohandel laufen dateibasiert über SFTP: Das Quellsystem exportiert die Fahrzeugdaten als Datei (CSV, XML oder JSON), legt sie auf einem SFTP-Server ab, und der Datendienstleister oder das Portal holt die Datei in regelmäßigen Abständen ab – typischerweise alle ein bis vier Stunden. Die Bilder werden entweder in derselben Datei als URL-Verweise referenziert oder als separate Bilddateien im selben Verzeichnis abgelegt.

Vorteile und Nachteile

SFTP ist robust, erprobt und für Massenübertragungen gut geeignet. Der Nachteil: Es gibt keine Echtzeitkommunikation. Zwischen einer Änderung im Quellsystem und dem Erscheinen auf dem Portal vergeht mindestens die Zeit bis zum nächsten Übertragungszyklus. Eine Preisänderung, die um 10:00 Uhr vorgenommen wird, ist bei einem vierstündigen Zyklus erst um 14:00 Uhr online.

E-Mail mit Anhang: Der manuelle Weg

In manchen Betrieben werden Fahrzeugdaten noch per E-Mail übertragen: als ausgefülltes Formular, als PDF-Rechnung, als Excel-Tabelle oder als lose Bilddateien im Anhang. Moderne Systeme können diese E-Mails automatisiert verarbeiten, indem sie den Inhalt per KI-gestützter Texterkennung (OCR) auslesen, die relevanten Fahrzeugdaten extrahieren und in das Zielsystem einpflegen.

KI-gestützte Erkennung von PDF-Dokumenten

Die automatische Extraktion von Fahrzeugdaten aus PDF-Dokumenten – etwa aus DAT-Bewertungen, Fahrzeugbriefen oder Rechnungen – ist technisch möglich und wird zunehmend eingesetzt. Die Erkennungsqualität hat sich durch KI-Modelle in den letzten zwei Jahren deutlich verbessert, erreicht aber nicht die Zuverlässigkeit einer strukturierten Datenübertragung per API oder SFTP. Der E-Mail-Weg eignet sich als Ergänzung oder für Einzelfälle, nicht als primärer Übertragungskanal für einen laufenden Betrieb mit hohem Fahrzeugdurchsatz.

Datenformate: Wie die Daten strukturiert werden

CSV: Die einfachste Form

CSV (Comma-Separated Values) ist das einfachste strukturierte Datenformat – eine Textdatei, in der jede Zeile einem Fahrzeug entspricht und die einzelnen Datenfelder durch ein Trennzeichen voneinander getrennt sind. CSV-Dateien lassen sich in Excel öffnen und bearbeiten, was sie für nicht-technische Nutzer zugänglich macht.

mobile.de Extended Format CSV (Legacy)

Historisch hat mobile.de ein eigenes CSV-Format definiert – das sogenannte "Extended Format" –, das die Struktur vorgab, in der Fahrzeugdaten per Dateiimport an mobile.de übertragen werden konnten. Das Format umfasste über 600 mögliche Spalten für Stammdaten, Ausstattungsmerkmale, Klickmerkmale, Preise, Beschreibungstexte und Bild-URLs. Dieses Format wird von mobile.de allerdings nicht mehr aktiv gepflegt und nicht mehr für die eigene Plattform angeboten. Der offizielle Weg für die Datenübertragung an mobile.de ist heute die Seller API (REST). Das Extended Format CSV lebt aber in der Branche weiter – viele Datendienstleister und DMS-Systeme nutzen es intern als Austauschformat zwischen ihren eigenen Systemen, weil es sich als De-facto-Standard für die tabellarische Darstellung von Fahrzeugdaten etabliert hat. Besonders beliebt ist das Format bei Website-Agenturen, die den Fahrzeugbestand eines Autohauses auf dessen Website darstellen: Die CSV-Struktur ist simpel, lässt sich in Excel öffnen und prüfen, ist zentral dokumentiert und für jeden einsehbar – ohne technische Kenntnisse oder Entwicklerzugang. Für eine Agentur, die eine Autohaus-Website baut und den Fahrzeugbestand anbinden will, ist das Extended Format CSV oft der schnellste Einstieg, weil kein API-Zugang eingerichtet, keine Authentifizierung implementiert und keine Programmierung notwendig ist. Für die direkte Portalbelieferung an mobile.de ist es jedoch nicht mehr der vorgesehene Weg.

Vorteile und Grenzen von CSV

CSV ist universell, einfach und von jedem System les- und schreibbar. Für einfache, flache Datenstrukturen funktioniert es gut. Die Grenzen zeigen sich bei komplexen, verschachtelten Daten: Ein Fahrzeug mit zwanzig Bildern, acht Ausstattungskategorien und drei Beschreibungstexten in einem flachen CSV abzubilden, erfordert entweder sehr viele Spalten oder umständliche Konventionen.

XML: Strukturiert und flexibel

XML (Extensible Markup Language) ist ein hierarchisches Datenformat, das komplexe, verschachtelte Strukturen abbilden kann. Ein Fahrzeugdatensatz in XML kann Unterkategorien enthalten – Bilder als eigene Liste innerhalb des Fahrzeugs, Ausstattungen gruppiert nach Kategorien, mehrere Beschreibungstexte in verschiedenen Sprachen.

Einsatz im Autohandel

XML wird in vielen DMS-Schnittstellen, in der Kommunikation zwischen Datendienstleistern und Portalen und in Herstellerdaten-Exporten eingesetzt. Die mobile.de Seller API unterstützt XML als Übertragungsformat. AutoScout24 nutzt ebenfalls XML-basierte Schnittstellen für die Datenübernahme. Der Vorteil gegenüber CSV: Komplexe Fahrzeugdatensätze lassen sich sauberer und weniger fehleranfällig abbilden, weil die Struktur selbstbeschreibend ist.

JSON: Der Webstandard

JSON (JavaScript Object Notation) ist das bevorzugte Datenformat moderner Web-APIs. Es kann dieselben verschachtelten Strukturen wie XML abbilden, ist aber kompakter und für Entwickler leichter lesbar. Die meisten modernen REST-APIs – auch die mobile.de Seller API – unterstützen JSON als primäres Übertragungsformat.

Warum JSON sich durchsetzt

JSON ist leichtgewichtiger als XML, wird von allen modernen Programmiersprachen nativ unterstützt und ist das Standardformat für Webanwendungen. Für die Datenübertragung im Autohandel bietet JSON dieselben strukturellen Vorteile wie XML bei geringerem Datenvolumen und einfacherer Verarbeitung.

Wie die Formate und Schnittstellen zusammenspielen

Der typische Datenfluss

In einem typischen Setup sieht der Datenfluss so aus: Der Händler legt ein Fahrzeug in seinem DMS oder seiner Fahrzeugverwaltung an. Das System exportiert die Daten – entweder per API-Aufruf in Echtzeit oder als Datei in regelmäßigen Intervallen. Der Datendienstleister empfängt die Daten, reichert sie an (Klickmerkmale aus DAT-Daten, Bilder vom Fotoserver, CI-konforme Kennzeicheneinleger), wandelt sie in das portalspezifische Format um und überträgt sie an die Zielsysteme – mobile.de per Seller API oder Extended Format CSV, AutoScout24 per API oder XML-Import, die eigene Website per API oder Datenfeed.

Warum der Datendienstleister der Übersetzer ist

Kein Händler muss die technischen Details der Portalschnittstellen kennen – das ist die Aufgabe des Datendienstleisters. Aber zu verstehen, dass der Datendienstleister eine Übersetzerfunktion hat (Daten aus dem Quellformat in das Zielformat konvertieren, Felder korrekt zuordnen, Fehler abfangen), hilft bei der Einschätzung, warum manche Datendienstleister bessere Inseratsqualität liefern als andere: Die Qualität der Übersetzung entscheidet darüber, ob alle Ausstattungsmerkmale korrekt ankommen, ob die Bilder in der richtigen Reihenfolge stehen und ob die Klickmerkmale vollständig gesetzt sind.

Worauf bei der Schnittstellenwahl zu achten ist

Echtzeit vs. Batch: Wie schnell müssen Änderungen online sein?

Bei einem Preisänderungsbedarf macht es einen Unterschied, ob die Änderung in Sekunden (REST-API) oder in Stunden (SFTP-Batch) online ist. Händler, die aktiv mit der Preisgestaltung arbeiten und schnelle Reaktionszeiten brauchen, profitieren von einer Echtzeitanbindung.

Fehlerbehandlung: Was passiert, wenn etwas schiefgeht?

Bei einer API-Übertragung kommt die Fehlermeldung sofort zurück. Bei einer dateibasierten Übertragung per SFTP kann es Stunden dauern, bis der Fehler bemerkt wird – wenn er überhaupt bemerkt wird und nicht stillschweigend zu einem fehlerhaften Inserat führt.

Bildübertragung: Der häufigste Engpass

Bilder sind die größten Dateien in einem Fahrzeugdatensatz. Dreißig Bilder pro Fahrzeug, bei hundert Fahrzeugen im Bestand, das sind dreitausend Bilder. Die Art, wie Bilder übertragen werden (als direkte Datei per SFTP, als URL-Verweis im CSV/XML/JSON, oder als Base64-kodierter String in der API) beeinflusst die Übertragungsgeschwindigkeit und die Fehleranfälligkeit erheblich. URL-Verweise sind die effizienteste Methode.

Spezialfälle und neue Entwicklungen

Google Vehicle Ads: Der Merchant Center Feed

Für Google Vehicle Ads werden Fahrzeugdaten nicht über eine klassische API, sondern über einen Produktfeed ins Google Merchant Center eingespeist – typischerweise als XML- oder CSV-Datei mit einer Google-spezifischen Feldstruktur. Der Feed enthält neben den Fahrzeugstammdaten auch Preis, Verfügbarkeit, Bild-URLs und einen Link zur Fahrzeug-Detailseite auf der Händlerwebsite.

Webhook-basierte Benachrichtigungen

Ein neuerer Ansatz in der Schnittstellenlandschaft sind Webhooks: Statt dass ein System regelmäßig beim anderen nachfragt, ob es Neuigkeiten gibt, sendet das Quellsystem aktiv eine Benachrichtigung an das Zielsystem, sobald sich etwas ändert. Für den Autohandel bedeutet das: Sobald ein neues Fahrzeug angelegt oder ein Preis geändert wird, wird der Datendienstleister automatisch informiert und kann die Änderung sofort an die Portale weiterleiten.

Standardisierungsinitiativen

Die Automobilbranche arbeitet seit Jahren an der Standardisierung von Datenaustauschformaten. In der Praxis ist die Standardisierung aber nur teilweise gelungen: Jedes Portal, jedes DMS und jeder Hersteller hat eigene Feldstrukturen, eigene Referenzdaten und eigene Validierungsregeln. Der Datendienstleister als Übersetzer zwischen diesen Welten bleibt daher auf absehbare Zeit unverzichtbar.

Fazit

Die Schnittstellen und Datenformate im Autohandel sind die unsichtbare Infrastruktur, die darüber entscheidet, wie schnell, wie vollständig und wie fehlerfrei ein Fahrzeuginserat auf dem Portal erscheint. REST-APIs ermöglichen Echtzeitkommunikation mit sofortiger Fehlerrückmeldung. SFTP-basierte Dateiübertragungen sind robust und bewährt, aber mit zeitlichen Verzögerungen verbunden. CSV ist einfach, aber bei komplexen Daten fehleranfällig. XML und JSON bilden verschachtelte Fahrzeugdaten sauberer ab. E-Mail-basierte Übertragung mit KI-Erkennung ergänzt das Spektrum für Einzelfälle. Für den Händler ist nicht entscheidend, welche Technologie im Hintergrund läuft – sondern ob die Daten schnell, vollständig und korrekt beim Portal ankommen. Und genau das hängt davon ab, wie gut der Datendienstleister die Übersetzung zwischen den Systemen beherrscht.

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